30 unter 30 - Im Palomar5 Camp diskutieren
Digital Natives in historischen Gemäuern über
die Arbeitswelt von morgen.
Abends, wenn es etwas ruhiger wird in der
Alten Malzfabrik in Berlin-Schöneberg, dann packt Suyash Tiwari noch einmal
seinen Laptop aus und arbeitet die Mails aus der Heimat ab. Dort leitet der
erst 24jährige IT-Spezialist aus dem indischen Madras bereits ein
Entwicklungslabor seines Arbeitgebers, der indischen Tata Group. Die
Zeitverschiebung hilft ihm, denn für sechs Wochen ist er derzeit für sein Team
nur elektronisch greifbar.
Tagsüber ist Suyash einer der Residents im
Palomar5 Camp. Wo früher das Malz fürs Bier gedieh, keimen noch bis Ende November
vielversprechende Ideen für eine ganz andere Mixtur. 30 junge Leute aus 13
Ländern diskutieren in den Räumen der historischen Fabrik über Lösungswege für
die Arbeitswelt von morgen. Und das buchstäblich rund um die Uhr. Gelebt und
gearbeitet wird dafür sechs Wochen lang unter einem Dach.
Einen kleinen Einblick bietet unsere
Fotogalerie.
Suyash, der ausdrücklich die
Innovationskultur bei seinem Arbeitgeber in Indien lobt, sagt: „Schon jetzt
nach wenigen Tagen bin ich überzeugt, dass dieses intensive Format, das wir
hier ausprobieren, uns auch in meiner Firma weiterbringen könnte."
Das Spektrum der behandelten Themen ist
weit. Neben handfesten technologischen Fragestellungen beschäftigen sich die
Teilnehmer mit Fragen des kulturellen Wandels, der mit den technologischen
Veränderungen Schritt halten muss: Wie lässt sich etwa Crowdsourcing in
Unternehmen nutzen? Wie motivieren Unternehmen zukünftig ihre Mitarbeiter?
Welche Ansprüche wird der Arbeitsmarkt demnächst an Führungsverantwortung
haben?
An einer freien Wand des ehemaligen
Fabrikgebäudes haben die Residents viele dutzend Fragen aufgehängt, mit denen
sie sich beschäftigen. Soziale Verantwortung als Triebfeder wirtschaftlichen
Handelns spielt dabei eine große Rolle.
Digitale Werkzeuge sind für die Gruppe bei der Zusammenarbeit natürlich selbstverständlich. Aber
wo früher gemälzt wurde, zählt auch heute noch Handarbeit. Wenn etwa gemeinsam
an Prototypen gefeilt wird oder im Brainstorming die guten alten Flipcharts zur
Geltung kommen. Bisweilen funktioniert das Zusammenleben sogar gänzlich analog.
So sieht man an mancher Schlafbox einen kleinen Briefkasten für Nachrichten von
anderen Gruppenmitgliedern...
Denn so unterschiedlich die
Aufgabenstellungen sind, so unterschiedlich sind auch Herkunft und Erfahrungen
der Teilnehmer. Einer von ihnen ist der 25jährige Brad Morris aus Kanada. Er
stellt jeden Tag ein kleines Video ins Netz, eine Art gefilmtes Tagebuch des
Camps. Darin wird viel gelacht. Im Camp sagt er: „Wenn wir alle - und er meint
ausdrücklich die ganze Welt - gut zusammenleben wollen, dann müssen wir doch
lernen, gut miteinander zu arbeiten."
Daheim in Kanada ist er selbständiger Trainer
und Persönlichkeitscoach. Wie er sind die meisten Teilnehmer digital äußerst
gut vernetzt. Schon die weltweite Rekrutierung der Campteilnehmer erfolgte
überwiegend online. Und jetzt lässt sich die Entwicklung in den alten
Gemäuern im Web auf vielen Plattformen und Kanälen verfolgen.
Palomar 5 ist ein vollkommen neues Projekt. Die Idee für das Camp (dessen Namen ein astronomisches Phänomen beschreibt) hatte ein junges Quintett.
Einen solchen Intensiv-Workshop hatte es nach deren Angaben in Deutschland bislang nicht gegeben. Wichtig ist den Organisatoren, dass die gemeinsam erarbeiteten Ideen regelmäßig an der
Wirklichkeit des Wirtschaftslebens gespiegelt werden. Dazu kommen immer wieder
Experten in die Malzfabrik.
Auch die Telekom schickt Ansprechpartner. „Denn
wir wünschen uns natürlich, dass das ein oder andere von dem, was hier
erarbeitet wird, Eingang ins reale Wirtschaftsleben findet", sagt Jonathan
Imme, einer der Palomar5-Gründer. Das, sagt er, wäre der „best case".
Die Telekom ist im Gründungsjahr von
Palomar5 als Hauptsponsor mit an Bord. Was sie davon hat, erklärt Sven Hischke, der
das Projekt für das Unternehmen betreut: „Open Innovation hat bei uns ganz
viele Gesichter und betrifft alle Bereiche des Unternehmens. Mit den unterschiedlichsten
Nutzergruppen in den Dialog zu kommen, spielt bei unserem Ansatz der vom Nutzer
getriebenen Innovation eine wichtige Rolle. Palomar5 geht innovative Wege und
ermöglicht uns mit dem Camp den Kontakt zu einer jungen und internationalen
Avantgarde, den Digital Natives. Wir wollen voneinander lernen."(ham)